Geburtstag am Herbstanfang

 

 

 

- dankbare Glückwünsche an Hartmut von Hentig –


Draußen regnet es –

Gestern war es noch so sonnig, warm und fröhlich gewesen

auf den autofreien Straßen Stuttgarts. 

 

Selbst am Abend 

nach der wunderbaren Lesung mit Lutz van Dijk, die eine Erzählung war

brauchte niemand zu frieren

und die Nähe wärmte wohltuend wie tagsüber die Sonnenstrahlen.

 

Nun regnet es an seinem Geburtstag in Stuttgart

 nicht aber in Berlin

und nicht Posen – seiner Geburtsstadt –

einen nährenden, herbstverkündenden Regen aus einem tiefgrauen Himmel,

der den Blick verstellt auf die Sonne,

der den Tränen auf den Weg hilft

und uns nicht hindern kann am Glauben an das Gute.

 

Schon am Morgen

der Wiederkehr seines Geburtstages - des vierundneunzigsten –

wüsste ich ihn gerne wärmend umarmt

und die Nähe der Lieben spürend, 

denen nicht der Herbstwind Kopf, Hirn und Herz verdreht hat. 

 

Nun fließen meine Gedanken aus Stuttgart nach Berlin

 an den Crottorfer Passionsweg

und auch nach Hinterzarten, nach Bielefeld  

und all die Orte, an denen Erziehungswissenschaft und pädagogische Praxis den Blick erhellten

wenn Erwachsene die Welt mit Kinderaugen zu sehen in der Lage waren,

wenn Kindertränen und -ängste von Erwachsenen wichtig genommen wurden wie ihr Lachen

und ihnen den Glauben an das Gute nicht raubten.

 

Bereits in der Nacht,

in der ich unruhig wälzend meinen Beitrag, „ die Menschen so erziehen, dass sie ein zweites 1933 rechtzeitig erkennen und entschlossen verhindern würden“ im Schlaf weitergrübelte,

wusste ich genau und in dankbarer Liebe zum verehrten Lehrer,

dass der Sokratische Eid wie er ihn uns gab

und wie ich ihn in all den Jahren zu leben verstehe

den Kopf klar hält für das Gute, die das Herz schlagen lässt für die Kinder und die Hand nutzt,

um dort anzupacken wo es notwendig ist.

 

Draußen hat es aufgehört zu regnen –

Heute kann es noch sonnig, warm und fröhlich werden

an seinem 94. Geburtstag.

Stuttgart, 23. September 2019